PoradnikAutor: Patrycja Marciniak
Filigrandecke oder Ortbetondecke? Vergleich für Planer und Bauherren

Filigrandecke und Ortbetondecke sind beides Stahlbetonkonstruktionen, sie unterscheiden sich aber in der Ausführung. Die Filigrandecke ist eine Verbunddecke — die vorgefertigte Stahlbetonplatte ist Teil des Tragwerks und übernimmt zugleich die Funktion einer verlorenen Schalung. Ihre endgültige Tragfähigkeit erreicht die Decke erst nach dem Verlegen der ergänzenden Bewehrung und dem Einbringen des Aufbetons auf der Baustelle.
Die Ortbetondecke entsteht vollständig auf der Baustelle. Sie erfordert eine komplette Schalung mit Unterstützung, das Verlegen der Bewehrung, das Betonieren und anschließend das Ausschalen, sobald der Beton die geforderte Festigkeit erreicht hat.
Was die Filigrandecke bringt
Keine vollflächige Schalung. Die Fertigteilplatte ist die verlorene Schalung. Auf der Baustelle werden Montageunterstützungen nach Plan gestellt, die erforderliche ergänzende Bewehrung verlegt und die Decke betoniert. Damit entfällt einer der arbeitsintensivsten Schritte einer klassischen Ortbetondecke.
Weniger Bewehrungsarbeit vor Ort. Die Platten kommen mit der im Fertigteil vorgesehenen Bewehrung und den Gitterträgern auf die Baustelle. Die übrige Bewehrung wird nach Tragwerksplanung vor Ort eingebaut.
Glatte Deckenuntersicht. Die Unterseite entsteht auf einem stählernen Fertigungstisch und ist dadurch eben und glatt. Je nach gefordertem Ausbaustandard reduziert das den späteren Putz- und Spachtelaufwand erheblich.
Öffnungen bereits im Fertigteil. Installationsdurchführungen, Schächte oder Treppenhausöffnungen lassen sich schon in der Planung und Produktion berücksichtigen. Das verringert späteres Bohren und Stemmen im fertigen Tragwerk und das Risiko von Kollisionen mit der Bewehrung.
Kürzerer Zyklus je Geschoss. Die Platten werden mit dem Kran direkt auf Tragwerk und Montageunterstützungen versetzt. Danach bleiben nur die ergänzende Bewehrung und das Betonieren. Gegenüber der Ortbetondecke sinken der Schalungsaufwand und die Menge temporärer Konstruktionen deutlich.
Die wichtigsten Unterschiede
| Merkmal | Filigrandecke | Ortbetondecke |
|---|---|---|
| Schalung | Platte ist verlorene Schalung | vollflächige Schalung erforderlich |
| Montageunterstützungen | ja, nach Plan | ja |
| Bewehrung | teils im Fertigteil + Ergänzung | vollständig auf der Baustelle |
| Bautempo | hoch | arbeitsintensiver |
| Kran | erforderlich | für die Decke selbst nicht zwingend |
| Deckenuntersicht | glatt, auf Stahltisch geformt | abhängig von der Schalung |
| Installationsöffnungen | im Fertigteil möglich | auf der Baustelle vorbereitet |
| Änderungen während der Ausführung | nach Produktionsstart eingeschränkt | bis zum Betonieren flexibler |
Wann der Vorteil schrumpft
Die Filigrandecke verlangt Logistik. Auf die Baustelle muss die Zufahrt für den Fertigteiltransport führen, und der Kran braucht Platz zum Arbeiten. Auf engen Grundstücken, in Innenstädten oder bei eingeschränkter Zufahrt kann eine Ortbetondecke organisatorisch einfacher sein.
Auch die Gebäudegeometrie zählt. Bei sehr unregelmäßigen Grundrissen steigt die Zahl der Sonderelemente, was den wirtschaftlichen Vorteil der Vorfertigung verringert.
Die Filigrandecke verlangt außerdem, dass Tragwerk, Architektur und Haustechnik früher abgestimmt sind. Eine Änderung der Wandstellung, großer Öffnungen oder von Installationsdurchführungen nach Produktionsbeginn ist deutlich schwieriger als bei einer vollständig vor Ort hergestellten Konstruktion.
Und der Preis?
Beim Vergleich lohnt es sich nicht, allein auf den Quadratmeterpreis von Beton oder Fertigteil zu schauen.
In den tatsächlichen Deckenkosten stecken auch Schalung, Stahl, Unterstützungen, Lohnkosten, Transport, Kraneinsatz, Bauzeit und der Umfang der späteren Ausbauarbeiten.
Die materialseitig günstigere Lösung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig die günstigere Decke. Bei größeren Flächen und sich wiederholenden Geschossen können der geringere Lohnaufwand und die kürzere Bauzeit gewichtige Argumente für die Filigrandecke sein.
Kennwerte, die man kennen sollte
Die Filigranplatten von Formee sind bis 2,50 m breit und bis 12 m lang. Damit lassen sich Decken mit einer Gesamtdicke von 14–40 cm ausführen.
Eine 5 cm dicke Fertigteilplatte wiegt rund 125 kg/m²; je nach Projekt kommt Beton bis zur Klasse C35/45 zum Einsatz.
Deckendicke, Betonfestigkeitsklasse, Bewehrung, Auflagertiefe und der Abstand der Montageunterstützungen werden auf die jeweilige Tragwerksplanung abgestimmt. Die vollständigen Kennwerte fasst der Beitrag Filigrandecke — Spannweiten, Dicken, Bewehrung zusammen.
Was also wählen?
Die Filigrandecke spielt ihre Stärken dort aus, wo Montagegeschwindigkeit, weniger Arbeit auf der Baustelle und die gleichbleibende Qualität der Vorfertigung zählen. Die Ortbetondecke gibt mehr Freiheit bei sehr untypischer Geometrie und dort, wo Zufahrt für Schwertransport und Kran schwierig ist.
Die Entscheidung sollte deshalb nicht am Quadratmeterpreis hängen. Besser ist es, beide Lösungen für das konkrete Projekt zu vergleichen — mit Tragwerk, Logistik, Lohnaufwand und Bauzeit.
Alle technischen Daten finden Sie auf der Seite der Filigrandecken von Formee.
Wenn Sie Lösungen für ein konkretes Gebäude vergleichen, senden Sie die Grundrisse über das Anfrageformular — wir stimmen Plattenteilung, Deckendicke und die passende Lösung auf das Projekt ab.
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Häufige Fragen
Braucht eine Filigrandecke Montageunterstützungen?
Ja. Ihre Anordnung ergibt sich immer aus der Tragwerksplanung und der Montageanweisung.
Lassen sich Installationsöffnungen in der Filigrandecke vorsehen?
Ja. Öffnungen, Durchführungen und Schächte müssen in der Plattenplanung abgestimmt werden.
Ist die Filigrandecke immer günstiger als die Ortbetondecke?
Nein. Der Vergleich muss den gesamten Umfang erfassen: Schalung, Bewehrung, Lohn, Transport, Kran und Bauzeit.
