Poradnik

Schalldämmung von Fertigteilwänden: gemessene Werte

Die Schalldämmung von Wänden gehört zu den wenigen Eigenschaften eines Gebäudes, die sich nach der Abnahme nicht mehr verbessern lassen. Die Fassadenfarbe kann man ändern, Leitungen umlegen, Trennwände versetzen — hört man den Nachbarn, hilft nur der Umbau des Bauteils. Deshalb fällt die Entscheidung, woraus die Wohnungstrennwände entstehen, ein einziges Mal und endgültig, noch vor der Produktion.

Dieser Text erklärt, woher die Schalldämmung eines Bauteils kommt, wie die Kennwerte in technischen Unterlagen zu lesen sind und welche Elemente zu welchem Einsatz passen. Alle unten genannten Werte stammen aus Labormessungen unserer Elemente, nicht aus Berechnungen.

Woher die Schalldämmung kommt

Schall, der eine Wand durchdringt, versetzt sie in Schwingung. Je schwerer und homogener das Bauteil, desto schwerer lässt es sich anregen — daher die Grundregel der Bauakustik, die Masseregel: eine Verdopplung der flächenbezogenen Masse bringt näherungsweise 6 dB mehr Dämmung.

Das erklärt, warum Beton hier besser abschneidet als leichte Konstruktionen und warum die Wanddicke mehr zählt als jede Bekleidung. Aber Masse ist nicht alles. Es zählt auch die Homogenität: ein Bauteil ohne Hohlräume, Spalten und Durchführungen, über die der Schall das Material umgehen könnte. In einer Fertigteilwand sind die Installationen bereits in der Produktion eingebettet und werden nicht nachträglich durchgestemmt — es entstehen keine Umwege, die später niemand kontrolliert.

Der dritte Faktor sind die Anschlüsse. Das bestgewählte Bauteil verliert seine Wirkung, wenn der Anschluss an die Decke oder die Querwand undicht ist. Kennwerte aus Unterlagen sind deshalb nur dann aussagekräftig, wenn sie an einem Element gemessen wurden, das so gefügt war, wie es auf der Baustelle gefügt wird.

Wie die Kennwerte zu lesen sind

In Prüfberichten und technischen Unterlagen findet sich die Schreibweise R'w (C; Ctr). Dahinter stecken drei verschiedene Informationen.

R'w ist das bewertete Schalldämm-Maß nach PN-EN ISO 717-1. Eine einzige Zahl in Dezibel, entstanden aus dem Vergleich der gemessenen Terzband-Kennlinie mit einer Bezugskurve. Das ist der Wert, den man zwischen Produkten vergleicht.

C ist der Spektrum-Anpassungswert für rosa Rauschen — Sprache, Musik, Fernseher. Man addiert ihn zu R'w, wenn das Bauteil vor Wohngeräuschen aus der Nachbarwohnung schützen soll.

Ctr betrifft tieffrequenten Lärm — Straßenverkehr, schwere Fahrzeuge, Bässe. Er ist meist stärker negativ als C, weil tiefe Frequenzen Bauteile am leichtesten durchdringen. Für Außenwände an einer belebten Straße betrachtet man daher die Summe R'w + Ctr.

Praktische Folge: ein Element mit R'w = 59 dB und Ctr = −4 dB liefert bei Straßenlärm effektiv 55 dB. Der Vergleich reiner R'w-Werte zwischen Produkten mit unterschiedlichem Ctr kann also in die Irre führen.

Gemessene Werte unserer Bauteile

Im Mai 2025 prüfte das Labor KFB Acoustics fünf unserer Wandbauteile nach PN-EN ISO 10140-2:2021-10. Gemessen wurde an Elementen, die nach unserer Montageanleitung gefügt waren — mit Quellbeton verpressten Stößen und einer Dehnfuge zum Fußboden, also in einer Ausführung, die der Baustelle entspricht.

BauteilDickeBetonklasseR'w (C; Ctr)R'w + Ctr
Massivwand160 mmC30/3754 dB (−1; −4)50 dB
Massivwand180 mmLC16/18 D1,655 dB (−1; −5)50 dB
Massivwand180 mmLC20/22 D1,855 dB (−1; −4)51 dB
Massivwand180 mmC30/3759 dB (−1; −4)55 dB
Sandwich (150 + 30 + 30 mm)210 mmC30/37 + Mineralwolle + C35/4554 dB (−1; −3)51 dB

Prüfberichte Nr. 0166-25P-T42-1-001a bis -005a, KFB Acoustics Sp. z o.o., Domasław.

Zwei Schlüsse lohnt es sich sofort zu ziehen.

Blähtonbeton ist akustisch nicht schlechter — er ist leichter. Eine 180-mm-Wand in LC16/18 erreicht 55 dB, also mehr als 160 mm Normalbeton (54 dB). Bei gleicher Dicke gewinnt Normalbeton um vier Dezibel, aber der Vergleich trägt erst dann, wenn dieselben Querschnitte gegenübergestellt werden.

Der Wechsel von LC16/18 auf LC20/22 ändert den Kennwert nicht. Beide Klassen liefern bei 180 mm 55 dB. Den dichteren Leichtbeton wählt man also wegen der Tragfähigkeit, nicht wegen der Akustik — auf diese wirkt erst der Wechsel zum Normalbeton.

Auswahltabelle

EinsatzAnforderungLösung
Wohnungstrennwand (zwischen Wohnungen, Hotelzimmern)Höchste DämmungMassivwand 180 mm, C30/37 — 59 dB
Wand zwischen Wohnung und TreppenhausHohe Dämmung, FeuerwiderstandMassivwand 180 mm, C30/37
Außenwand an belebter StraßeEs zählt R'w + Ctr180 mm C30/37 (55 dB mit Ctr) oder Sandwich
Außenwand, ruhige LageBilanz aus Wärme und GewichtBlähtonbeton LC16/18, 180 mm — 55 dB
Tragende Wand innerhalb der WohnungStandard genügtBlähtonbeton 120–150 mm
Trennwand innerhalb der WohnungKeine TrennwandanforderungenBlähtonbeton 120 mm

In der Praxis erprobt: In der Pensionsanlage in Ośno Lubuskie wurden Außen- und Trennwände aus Blähtonbeton in 12 und 15 cm ausgeführt, die Wände zwischen den vermieteten Zimmern dagegen aus C30/37 mit 18 cm Dicke.

Was diese Zahlen nicht abdecken

Der im Labor gemessene Kennwert gilt für das Bauteil allein. Auf der Baustelle kommen Nebenwege hinzu: Schall läuft auch über die Decke, die Querwände und gemeinsame Konstruktionsteile. Die im Gebäude erreichte Dämmung liegt daher in der Regel unter der im Labor, und der Abstand hängt von der Ausbildung der Anschlüsse ab und davon, ob akustische Trennfugen vorgesehen wurden.

Die zweite Sache ist der Trittschall — Schritte, verschobene Möbel, fallende Gegenstände. Er überträgt sich über die Konstruktion, nicht über die Luft, und man begegnet ihm mit dem Fußbodenaufbau: Estrich auf Trittschalldämmung, mit Randdämmstreifen von den Wänden getrennt. Eine Wand mit R'w = 59 dB hilft nicht, wenn der Estrich auf der Decke starr angeschlossen wird.

Das Dritte sind die Installationen. Werkseitig eingebaute Elektrodosen schwächen das Bauteil nicht, eine durch die Trennwand hindurch gestemmte Dose dagegen schon. Bei der Bestellung lohnt es sich, die Lage der Dosen auf beiden Wandseiten so abzustimmen, dass sie nicht gegenüberliegen.

Was das für die Bestellung bedeutet

Die Schalldämmung ist eine Eigenschaft, die zusammen mit dem Element bestellt wird — genauso wie Betonklasse oder Feuerwiderstand. Sie wird in der Werkplanung festgelegt, bevor die Form entsteht, und nicht später auf der Baustelle mit Schichten nachgebessert. Fehlt im Entwurf eine eindeutige Kennzeichnung, welche Wände Wohnungstrennwände sind, sollte das vor der Produktion geklärt werden: eine nachträgliche Änderung der Bauteildicke bedeutet ein neues Element.

Die Prüfberichte stellen wir auf Wunsch zur Verfügung — samt der Terzband-Kennlinien, falls der Planer sie für die bauakustische Berechnung des gesamten Gebäudes benötigt.

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