Ratgeber

Blähtonbeton-Haus — Erfahrungen und häufige Bedenken

Blähtonbeton-Haus — Erfahrungen und häufige Bedenken

Erfahrungsberichte über eine Bautechnologie haben den Nachteil, dass sie ein fremdes Haus, eine fremde Mannschaft und ein fremdes Budget beschreiben. Statt zu wiederholen, wer was im Forum geschrieben hat, lohnt es sich, die Bedenken zu nehmen, die bei Blähtonbeton am häufigsten wiederkehren, und zu prüfen, was davon sich aus Normen, Branchenrichtlinien und Messungen ergibt.

Nachfolgend sechs solcher Zweifel. Zwei sind berechtigt, zwei hängen von der Ausführung ab, zwei sind ein Missverständnis.

„Die Wände reißen"

Berechtigt — und es lohnt sich zu wissen, warum. Leichtbeton schwindet beim Austrocknen um bis zu 0,8 ‰, Normalbeton dagegen um 0,3–0,5 ‰. Die Folge sind mitunter vertikale Schwindrisse in der Wand und an den Elementstößen.

Der Punkt ist, dass es sich um Schwindrisse handelt und nicht um konstruktive Risse — in der Regel ohne Einfluss auf die Tragfähigkeit. Und dass sie sich vorhersehen lassen. Die Richtlinien der Letbetonelementgruppen nennen das Vorgehen ausdrücklich: Vor dem Streichen und dem Verlegen von Fliesen sollte sich etwa die Hälfte des Schwindmaßes entwickelt haben, was bei einer Luftfeuchte bis 30 % und 18–20 °C 4–6 Wochen dauert. Stöße und Ecken werden mit 100 mm breiten Glasvliesstreifen armiert, die Wand mit Tapete, Vlies oder Armierungsfilz überzogen, und unter Fliesen kommt ein elastischer Kleber.

Beschwerden über gerissene Wände rühren in der Praxis daher, dass dieser Schritt übersprungen wurde, nicht vom Material selbst. Wer eine Wand nach zwei Wochen streicht, sieht das Schwinden auf der fertigen Oberfläche.

„Drinnen wird es laut"

Berechtigt mit einem Vorbehalt: bei gleicher Dicke. Eine 10 cm dicke Wand der Klasse LC16/18 erreicht Rw 41,5 dB, dieselbe Dicke aus Beton C20/25 dagegen 47,9 dB. Über die Schalldämmung entscheidet vor allem die flächenbezogene Masse des Bauteils, und Leichtbeton ist leichter.

Die Dicke ist aber eine Planungsgröße, keine Konstante. Eine 18 cm dicke Wand der Klasse LC16/18 erreichte in Messungen 55 dB, also ein Dezibel mehr als 16 cm Normalbeton. Bei Wohnungstrennwänden, wo die Akustik den Ausschlag gibt, wählt man ein dickeres Element oder kehrt zum Normalbeton zurück — das ist eine gewöhnliche Planungsentscheidung und keine Umgehung eines Mangels.

Im Einfamilienhaus tritt das Problem im Grunde nicht auf, denn die Innenwände trennen keine fremden Menschen.

„Poröses Material saugt sich mit Wasser voll"

Ein Missverständnis, auch wenn die Vorstellung nachvollziehbar ist. Die Poren des Blähtons sind in der gesinterten Kornschale eingeschlossene Bläschen und keine wasserleitenden Kanäle. Das Material ist wasser- und frostbeständig — es verrottet nicht und verliert seine Kennwerte nicht, weshalb Leichtbeton seit Jahrzehnten auch im Infrastrukturbau eingesetzt wird.

Eine andere Sache ist die Baufeuchte: Ein frisches Element trocknet, und das muss man abwarten. Das ist jedoch ein Vorgang, der endet, und keine Eigenschaft, die bleibt.

„Die Wände fühlen sich kalt an"

Umgekehrt als bei Normalbeton. Die Wärmeleitfähigkeit von Blähtonbeton liegt bei 0,9–1,1 W/(m·K) gegenüber 2,0 W/(m·K), die Wand entzieht der Hand also langsamer Wärme und fühlt sich wärmer an.

Worauf man sich dagegen nicht verlassen sollte: Blähtonbeton bleibt ein Konstruktions- und kein Dämmstoff. In der Außenwand arbeitet er ohnehin zusammen mit der Dämmung. Das fertige Bauteil erreicht einen U-Wert von 0,165 W/(m²·K) bei 20 cm Mineralwolle und 0,117 W/(m²·K) bei 18 cm Resolhartschaum, bei einer Anforderung der polnischen Technischen Bedingungen WT 2021 von 0,20 W/(m²·K).

„Das ist die Rückkehr der Plattenbauten"

Ein Missverständnis, auch wenn das Material tatsächlich dasselbe ist. Der Plattenbau war ein System der siebziger Jahre: wiederkehrende Elemente aus einem Typenkatalog, Fugen mit begrenzter Ausführungskontrolle, Gebäude, die für die Massenproduktion entworfen waren.

Der heutige Fertigteilbau besteht aus Elementen, die für ein konkretes Bauwerk im BIM-Modell gezeichnet und unter Dach mit Kontrolle der Maße und der Betonklasse produziert werden, mit einer Bewehrung, die auf berechnete Kräfte bemessen ist. Unsere Elemente sind durch das Zertifikat 0761-CPR-1152 des IBMB MPA TU Braunschweig nach EN 14992 abgedeckt, und jede Charge hat eine Leistungserklärung. Der Unterschied zum gemauerten Haus betrifft den Ort, an dem das Tragwerk entsteht, nicht seine Dauerhaftigkeit.

„Man weiß nicht, wie lange so ein Haus hält"

Man weiß genauso viel wie bei Normalbeton. Der Eurocode EN 1990 setzt für Gebäude eine geplante Nutzungsdauer von 50 Jahren an, und bei richtig gewählter Expositionsklasse und Betondeckung arbeitet ein Stahlbetontragwerk länger. Über die Dauerhaftigkeit entscheidet vor allem die auf die Expositionsbedingungen abgestimmte Betondeckung der Bewehrung — also eine Planungsgröße und keine Materialeigenschaft, um die man sich sorgen müsste.

Was daraus folgt

Zwei Bedenken — das Schwinden und die Akustik bei geringer Dicke — sind real und haben in der Planung ihre Lösungen: das Abwarten der Austrocknung mit der richtigen Oberfläche sowie die Wahl der Bauteildicke. Die übrigen vier entstehen daraus, dass Leichtbeton mit einem Dämmstoff oder Fertigteilbau mit dem Plattenbau verwechselt wird.

Die praktische Schlussfolgerung lautet: Über die Qualität eines Blähtonbeton-Hauses entscheidet dasselbe wie bei jeder anderen Technologie — ob das Bauteil auf seine Aufgabe abgestimmt wurde und ob der Ausführende die Verfahren eingehalten hat. Das Material allein erledigt weder das eine noch das andere.

Kennwerte, Klassen und der Vergleich mit Normalbeton: Blähtonbeton. Ablauf der Ausführung und Abgrenzung des Leistungsumfangs: Häuser aus Blähtonbeton.

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