Ratgeber
Blähtonbeton-Haus — Vor- und Nachteile

Ein Hersteller fängt selten mit den Nachteilen an, also fangen wir mit ihnen an. Blähtonbeton hat drei Einschränkungen, die man vor der Wahl der Technologie kennen sollte — und keine davon ist ein Grund, auf sie zu verzichten. Sie sind allerdings ein Grund zu wissen, wo dieses Material hingehört und wo man zum Normalbeton greift.
Dieser Text nimmt beide Richtungen auseinander: zuerst die Grenzen des Leichtbetons, dann die Vorteile und am Ende das praktische Auswahlkriterium. Alle Zahlen beziehen sich auf Wandfertigteile aus Blähtonbeton, nicht auf Mauersteine — das sind zwei verschiedene Produkte, auch wenn der Materialname derselbe ist.
Nachteil eins: das Schwinden
Das ist die Einschränkung, die sich in der Praxis am deutlichsten bemerkbar macht. Leichtbeton schwindet beim Austrocknen um bis zu 0,8 ‰, Normalbeton dagegen um 0,3–0,5 ‰. Dafür sind drei Dinge zugleich verantwortlich: die poröse Zementsteinmatrix, die Hohlräume zwischen den Zuschlagkörnern und der niedrige Elastizitätsmodul des Blähtons, der die Betonmatrix schwächer aussteift.
Die Folge sind mitunter vertikale Schwindrisse in der Wand und an den Elementstößen. Auf die Tragfähigkeit haben sie in der Regel keinen Einfluss, aber sie müssen im Oberflächenaufbau eingeplant werden — und hier liegt der Fehler, der am häufigsten vorkommt: das Überspringen der Austrocknungsphase. Die Richtlinien der Letbetonelementgruppen sagen, dass sich vor dem Streichen und dem Verlegen von Fliesen etwa die Hälfte des Schwindmaßes entwickelt haben sollte. Bei einer relativen Luftfeuchte bis 30 % und 18–20 °C dauert das in der Regel 4–6 Wochen, bei dickeren Wänden länger.
So wird es gemacht: Elementstöße und Ecken werden unter der Beschichtung mit 100 mm breiten Glasvliesstreifen armiert, die gesamte Wand mit Tapete, Vlies oder Armierungsfilz überzogen, und unter Fliesen kommt ein elastischer Kleber, der kleine Differenzbewegungen aufnehmen kann.
Dabei gibt es einen Trost, über den selten gesprochen wird: Im Leichtbeton endet das Schwinden mit der Austrocknung. Im Normalbeton tritt das Endschwindmaß erst nach 1–5 Jahren ein — also lange, nachdem jemand eingezogen ist.
Nachteil zwei: geringere Druckfestigkeit
Wir produzieren Blähtonbeton in den Klassen LC12/13 bis LC20/22. Normalbeton beginnt bei C20/25 und reicht höher. Bei großen Einzellasten — unter einem weit gespannten Unterzug, an der Auflagerstelle einer Stahlkonstruktion — kehrt man deshalb zum Normalbeton zurück.
Im Einfamilienhaus wird diese Einschränkung selten wirksam, weil sich die Lasten aus Decken und Dach über die gesamte Wandlänge verteilen. Wirksam wird sie dagegen in höheren Gebäuden und in Industriebauten, und dort fällt die Entscheidung für das konkrete Bauteil, nicht für das ganze Gebäude.
Nachteil drei: Akustik bei gleicher Dicke
Dieser wird am häufigsten missverstanden, weil die Intuition nahelegt, ein poröses Material dämme besser. Es ist umgekehrt: Über die Schalldämmung eines Bauteils entscheidet vor allem seine flächenbezogene Masse, und Leichtbeton ist definitionsgemäß leichter.
Die Zahlen: Eine 10 cm dicke Wand der Klasse LC16/18 erreicht Rw 41,5 dB, dieselbe Dicke aus Beton C20/25 bereits 47,9 dB. Sechs Dezibel Unterschied sind viel.
Der Vorbehalt ist allerdings wesentlich — der Vergleich hat nur bei gleicher Dicke Sinn. In Laborprüfungen erreichte eine 18 cm dicke Wand der Klasse LC16/18 55 dB, also ein Dezibel mehr als 16 cm Normalbeton. Bei Wohnungstrennwänden, wo die Akustik den Ausschlag gibt, wählt man einfach ein dickeres Element. Zu wissen lohnt sich dagegen, dass der Wechsel von LC16/18 auf LC20/22 den Kennwert nicht verändert — dichteren Leichtbeton wählt man wegen der Tragfähigkeit, nicht wegen der Akustik.
Vorteil eins: das Gewicht
Eine 10 cm dicke Wand der Klasse LC12/13 wiegt 140 kg/m². Dieselbe Wand aus Beton C20/25 wiegt 235 kg/m². Das sind fast 100 kg auf jedem Quadratmeter Wandfläche.
Die Folgen ziehen sich durch das gesamte Bauvorhaben: leichtere Fundamente, weniger Transporte zur Baustelle, ein kleinerer Kran, ein kürzerer Montagezyklus. Im mehrgeschossigen Gebäude kommt die geringere Belastung der Konstruktion der unteren Geschosse hinzu.
Vorteil zwei: die Wärme
Die Wärmeleitfähigkeit von Blähtonbeton liegt bei 0,9–1,1 W/(m·K) gegenüber 2,0 W/(m·K) für Normalbeton. Das Material bleibt jedoch ein Konstruktions- und kein Dämmstoff — in der Außenwand arbeitet es ohnehin zusammen mit der Dämmschicht.
Der Gewinn liegt woanders: Das Tragwerk selbst kühlt das Bauteil weniger aus, und Wärmebrücken lassen sich leichter vermeiden. Eine fertige Wand der Klasse LC16/18 erreicht einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,165 W/(m²·K) bei 20 cm Mineralwolle und 0,117 W/(m²·K) bei 18 cm Resolhartschaum. Die polnischen Technischen Bedingungen WT 2021 fordern für Außenwände höchstens 0,20 W/(m²·K) — beide Werte erfüllen das mit Reserve.
Vorteil drei: Feuer und Dauerhaftigkeit
Blähtonbeton ist nicht brennbar — in der europäischen Klassifizierung des Brandverhaltens entspricht das der Klasse A1, also einem Material, das sich am Brand nicht beteiligt und keinen Rauch entwickelt. Der poröse Zuschlag leitet Wärme langsamer als natürlicher, der Querschnitt erwärmt sich also später durch. Unsere Schichtwände haben eine deklarierte Feuerwiderstandsdauer von R60–R240 sowie EI30–EI60.
Die Dauerhaftigkeit ist dieselbe wie bei Normalbeton. Der Eurocode EN 1990 setzt für Gebäude eine geplante Nutzungsdauer von 50 Jahren an, und bei richtig gewählter Expositionsklasse und Betondeckung arbeitet ein Stahlbetontragwerk länger. Das Material ist wasser- und frostbeständig — es verrottet nicht und verliert seine Kennwerte nicht.
Das Auswahlkriterium
Es läuft auf eine Frage hinaus: Was ist in diesem konkreten Bauteil wichtiger — Wärme und Masse oder Festigkeit und Akustik?
Außen- und Innenwände eines Einfamilienhauses gewinnen durch Leichtbeton, weil sie über ihre ganze Fläche arbeiten und weil sie für die Wärmebilanz des Gebäudes verantwortlich sind. Wohnungstrennwände im Mehrfamilienhaus und Stellen mit großen Einzellasten gewinnen durch Normalbeton.
In der Praxis entsteht ein Haus aus beiden Materialien zugleich, und darin liegt kein Widerspruch. Decken, Treppen und Balkone produzieren wir aus Normalbeton bis zur Klasse C35/45, gerade weil sie schlank und stark belastet sind — dort entscheidet die Festigkeit des Querschnitts und nicht die Gewichtsreduzierung.
Mehr über das Material selbst, seine Klassen und Kennwerte: Blähtonbeton. Darüber, wie daraus ein Gebäude entsteht: Häuser aus Blähtonbeton.
